#NoMonologue - Was ist eigentlich schön?

5.12.15


Früher da waren es die großen Brüste - heute ist es der Thigh Gap. In einer Zeit von Size Zero, diversen Abnehmprogrammen und wo die meisten Mädls eher so Größe 34 und 36 tragen .. da fühle ich mich wahnsinnig fett. Als hätte ich 20 Kilo zu viel auf den Rippen. Viele Trends kann ich mit meinem Körper einfach nicht tragen, obwohl ich wollen würde. So schau ich zum Beispiel mit Oversize-Teilen eher so aus als hätte ich ein paar Kilo zu viel als dass es cool aussieht. Oder mit vielen High-Waist-Hosen als hätte ich ein kleines Schwangerschaftsbäuchlein. Dabei hab ich doch eigentlich einen normalen Durchschnittskörper.

Es stimmt. Ich bin vom Sport abgekommen, könnte ein paar Kilo weniger vertragen und bin von engen Shirts und Kleidern abgekommen. Aber dafür hab ich Kurven. Ich hab Hüften, ich hab eine Taille und ich hab Brüste - und das ist doch eigentlich was schönes? Eigentlich will ich gar keine 36 tragen und gertenschlank sein. Das ist einfach ein falsches Schönheitsideal, das unsere Gesellschaft beherrscht. Bestes Beispiel dafür ist etwa der "Trend" des Thigh Gap oder die Bikini Bridge. Es erschreckt mich was für einem Ideal junge Mädchen heutzutage hinterher rennen. Es macht mich traurig. Genauso wie die Geschichte "I don't date Size 10", die Lina Mallon in ihrer Twenty Something Column mit uns geteilt hat. Dass ein Mann dir sagen kann, dass er einen gewissen Lifestyle lebt und man mit seiner Kleidergröße da nicht hinein passt erschreckt mich und kann doch nur in einer Gesellschaft entstehen in der Size Zero mehr als nur normal ist.
Gerade nach dieser Story möchte ich vielen Mädls - und auch meinem 16-jährigen ich - zuschreien: Ihr seit schön wie ihr seit! Lasst euch von niemandem sagen, dass ihr mit Größe 38, 40 oder 42 zu dick seid, denn das stimmt nicht! Denn die Kleidergröße variiert auch vom Körperbau genauso wie euer Gewicht! Was ist wohl der Grund dafür, dass diese Größen oft nicht bei z.B. H&M aufzufinden sind? Genau, weil die meisten Frauen sie tragen! Niemand ist weniger Wert nur weil man seine Hüftknochen nicht herausstehen sieht, er nicht Size 6 oder 8 trägt oder ein Bäuchlein hat anstatt einem Sixpack. Lieber mal eine Pizza isst anstatt einem Salat. Das ist vollkommen okay und normal.
Und ich kenne es gut genug wie jeder andere, dass man sich - auch wenn man es eigentlich nicht will - Models und #fitspo-Girls von Instagram zum Vorbild nimmt. Sich nicht gut genug fühlt, weil man nicht jeden Tag Sport treibt und gerade mit einem Stück Schokolade vor dem Fernseher sitzt anstatt mit Karotten. Nicht alles was glänzt ist real. "Es ist ein Hin und Her zwischen Verstand und Gefühl. Ein Pendeln zwischen Selbsthass und Selbstbewusstsein" hat Alexandra von Märzmädchen am Dienstag in ihrem Beitrag schon geschrieben, was es perfekt auf den Punkt bringt. Und egal wie sehr wir Individuen es versuchen uns von den Schönheitsidealen der Zeitschriften und unserer Gesellschaft loszusagen - so einfach ist es nicht. Denn sie sind zu tief verankert, als dass dein Arbeitskollege, deine Familie oder der Klassenkamerade nicht sagt oder denkt, dass er dich zu fett findet, oder sagt, dass er alle Menschen die er kennt nur nach der Persönlichkeit beurteilt. Wir sind zu oberflächlich dafür. Wir sehen - wir beurteilen - wir verurteilen. Das ist schlecht, aber ich tue es genauso wie die Mobber aus meiner ehemaligen Klasse.

Schönheitsideale verändern sich. Und während 36 heute noch total in ist, ist es das in 10 Jahren vielleicht nicht mehr. Die Vorstellung vom perfekten Körper, der unsere Gesellschaft beherrscht, schwankt von extrem dünn, zu androgyn und weiblich hin und her. Das Video "Women's Ideal Body Tipes Troughout History" von Buzzfeed bringt dies wahnsinnig gut auf den Punkt.


Ich würde mir wünschen, dass sich der Körper einer normalen durchschnittlichen Frau, und nicht der eines Victoria's Secret Models, als anstrebenswert etablieren würde. Es geht schon ein Trend Richtung "Nothing tastes as good as healthy feels" und "You are not fat. You have fat. Fat does not define who you are", was ich absolut befürworte. Eigentlich sollte es nicht darum gehen dünn zu sein, sondern darum gesund zu sein und sich wohlzufühlen. Nackt vor dem Spiegel zu stehen und sagen zu können: Ich mag meinen Körper. Ich bin schön so wie ich bin. Ich mag mich.
Inspiriert von Cassey Ho's Video "The "perfect" body" habe ich bereits über Bodyshaming gesprochen, weswegen all das hier keinen Platz gefunden hat. Aber ein Zitat daraus möchte ich dennoch mit euch teilen:

"Ich habe nicht so schlanke Oberschenkel und Oberarme sowie ein kleines Bauchi. Na und? So bin ich halt. Ich arbeite daran meinen Körper zu verändern aber kann mich auch jetzt so akzeptieren, wie ich bin. Aber es ist schwer sich zu lieben, wenn man früher gehört hat wie hässlich und dick man nicht sei. Das begleitet einen mental auf ewig. Auf Instagram dauernd wunderschöne, dünne und durchtrainierte Frauen zu sehen. Zu merken, dass man selbst genau das Gegenteil ist. Es wird einem vermittelt, dass man einem Schönheitsideal von Kleidergröße XXS entsprechen muss und wird beleidigt wenn man dem nicht entspricht. Vielleicht hört man es nicht immer von anderen Menschen. Aber man sieht die Blicke. Und das tut weh.
(...)
Ich habe einige Zeit gebraucht zu mir zu finden und zu akzeptieren, wie und wer ich bin, und dass mein Körper okay ist, wie er ist. Natürlich wünsche ich mir manchmal immer noch anders auszusehen, aber ich komme damit klar wie ich bin. Und das wünsche ich mir auch für alle anderen."
"My body or your body doesn't define who you are.
You're not measured by the distance between your thighs, by how flat your abs are
or how big yout butt is. You're more than that.
You are full of character personality, talents, skills."
- Cassey Ho

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade “No Monologue”. Hierbei schreiben wir monatlich über ein Thema, das genügend Fläche für Diskussion und verschiedenste Standpunkte bietet. Seit Dienstag findet ihr auf den folgenden Blogs Beiträge zu dem Thema "Schönheitsideale". Wenn ihr unten auf die Links klickt kommt ihr direkt zu den Beiträgen von No Monologue.

Dienstag 1.12: Märzmädchen 
Mittwoch 2.12: Carotellstheworld
Donnerstag 3.12: Lieblingsküche
Freitag 4.12: Vita Corio
Samstag 5.12: Hier auf maxie-renée
Sonntag 6.12:  Tea, Cats & Glitter
Mittwoch 9.12: Umecken


Don't measure yourself by your look and just be the best version of yourself!

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4 Meinungen

  1. Vielen lieben Dank für diese kleine Gehirnwäsche. Ich muss gestehen ich fühle mich momentan ultra unwohl. Ich habe Hüften und Po die ich eigentlich lieben sollte aber nicht liebe. Naja, nach meiner Leistungsturn Karriere habe ich einfach mit dem Sport aufgehört, vor 3 Jahren - ich habe versucht Fitness zu machen, aber das hat mich nur gelangweilt. Und natürlich kann man dann nicht hoffen 3 Jahre später noch so trainiert auszusehen, wenn man genauso weiter isst. Ich fühle mich zurzeit trotzdem nicht wohl, einfach weil ich unsportlich und energielos geworden bin, und genau das möchte ich ändern. Ganz egal ob ich danach in eine Größe 36 passe oder nicht. Denn Körperformen sind ganz normal und genetisch bedingt. Die "dünnen" Mädchen haben halt einfach Glück dass Ihre Körperfrom gerade angesagt ist - vor vielen Jahren sah dass ja noch komplett anders aus :) Aber darum soll es ja auch überhaupt nicht gehen, denn die glücklichsten Menschen sind meiner Meinung nach die schönsten ganze geal mit welcher Passform :)


    Bisous aus Berlin, deine Patricia

    THEVOGUEVOYAGE by Patricia Sophie

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  2. Ich beobachte zur Zeit, dass kurvig wieder ziemlich im Kommen ist. Aber nicht das normale Kurvig, sondern Kurvig mit super trainierten Bauch, Beinen und Po. Wo ich früher noch gedacht habe: oh ich will dünnere Beine, denke ich jetzt: oh ich will einen größeren trainierteren Po! Und das nur, weil sich die Präferenzen in der Gesellschaft geändert haben. Eigentlich lächerlich oder?
    Ich bin auch schon gespannt, wie das Ganze in ein paar Jahren aussehen wird und wie lange sich dieser Sporthype hält!

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  3. Der Text ist wirklich so wahr und regt mich und wahrscheinlich auch jeden anderen zum Nachdenken an. Ich finde es krass und traurig, wie viel Einfluss andere Menschen und auch Medien im Alltag auf uns haben, egal, ob wir es wollen oder nicht. Und man vergisst so oft, dass die Models in Werbekampagnen extrem geschminkt und Bilder retuschiert und mit Photoshop so bearbeitet werden, dass man die Mädchen zum Teil im wahren Leben kaum wiedererkennen würde. Ich finde es so wichtig, dass vor allem junge Mädchen, die noch nicht so selbstsicher sind, lernen, dass jeder auf seine Weise schön ist. Und wann ist "Du bist so dünn!" eigentlich zu einem Kompliment geworden? Das ist wirklich erschreckend.

    Liebste Grüße, Emilia

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